Ansprache; "Du bist vielleicht gut!"
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Ulli? Hast du eigentlich die Ansprache dabei, sag mal?
Mann, du bist vielleicht gut! Du hast die doch geschrieben! Dann musst du die schon auch mitbringen!
Äh, ja, Warte mal. Hier, doch, ich hab's dabei. Tschuldigung. Das ist immer mein Alptraum, dass ich so was vergesse.
Ach komm, wir sind doch alle nur Menschen. So was kann doch mal passieren.
Ja, da hast du natürlich Recht. Aber manchmal haben wir halt einfach Angst, zu versagen. Den Ansprüchen nicht zu genügen. Du warst glaub ich in der Sitzung nicht dabei, als wir das Thema ausgesucht haben. Weißt du, wie wir da draufgekommen sind?
Nein – keine Ahnung.
Wir haben ja in unserem Dekanat einen Studientag gemacht, wo wir ganz viele Leute eingeladen haben, um mal die Lebenswelt von 8- bis 15jährigen genau anzusehen. Und dabei ist eine Frage ganz zentral immer wieder aufgetaucht, quer durch alle Altersstufen. Nämlich genau die: Bin ich gut? Also, gut genug? Passe ich in die Clique? Bin ich schön genug, schlau genug und so weiter.
Ja, das kann ich mir vorstellen, dass das bei Jugendlichen ganz wichtig ist. Aber nicht nur bei denen. Die Frage hört ja nicht auf, wenn wir 18 sind oder so. Die meisten Menschen sind doch irgendwie immer auf der Suche nach Anerkennung. Und manchmal versagen wir ja auch wirklich. So wie ihr vorhin mit eurer Band.
Ja ... ok, das mit der Band war so geplant, aber natürlich hauen wir manchmal auch ungeplant daneben. Jeder versagt mal, macht Fehler. Deswegen haben wir ja vorhin auch die Geschichte von der Ehebrecherin erzählt. Die hat ganz schön versagt in den Augen der anderen.
Aber ich finde das so toll, was Jesus sagt: „Dann verurteile ich dich auch nicht.“
Ja, das ist wirklich wunderbar. Jesus verurteilt uns nicht, ganz egal, was wir angestellt haben.
Gott nimmt uns an, auch wenn wir Fehler machen. Wenn das mal bei den Menschen genau so einfach wäre.
Tja. Da geht es leider oft nicht so. Manchmal fällt es schwer, einem anderen zu verzeihen, der einen Fehler gemacht hat. Und noch schwerer ist es, einem zu verzeihen, der mich fertiggemacht hat wegen einem Fehler.
Ja, bei uns Menschen ist das oft nicht so einfach. Und oft können wir uns sogar selber nicht verzeihen, wenn wir was falsch gemacht haben. Fühlen uns selber nicht gut genug.
Ich muss gerade an die Bibel denken. Genauer gesagt, an die Schöpfungsgeschichte.
Was hat das jetzt mit Adam und Eva zu tun?
Ach, eigentlich meine ich die andere Schöpfungserzählung. Die mit den sieben Tagen. Da heißt es doch jedes Mal: Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
Und das gilt eben auch für uns. Sogar für dich, obwohl du vorhin fast unsere Ansprache verschusselt hättest.
Ach, das. Ich glaube, es gibt viel schlimmere Dinge.
Ja natürlich. Hoffentlich schaffen wir's, das den Kindern und Jugendlichen zu erzählen. Ganz egal, was du anstellst: Für Gott bist du gut, so, wie du bist.
Nicht nur den Kindern und Jugendlichen. Auch den Erwachsenen.
Also eben nicht: Du bist vielleicht gut – sondern ohne Einschränkung: Du bist gut!
Sogar sehr gut.
Genau. Gott sah an alles, was er gemacht hatte: Dich. Mich. Alle, die hier sitzen. Diese ganze Welt.
Und siehe, es war sehr gut.
Amen.